kompakt

Kirche und Wirtschaft

Die christlichen Kirchen in Deutschland sind wichtige gesellschaftliche Akteure und tragen zur Werteorientierung unserer Gesellschaft bei. Die Arbeitgeber suchen den konstruktiven Dialog mit den Kirchen. Beide teilen die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen.

Orientierung geben

Die Stimme der christlichen Kirchen erreicht viele Menschen und hat in der öffentlichen Diskussion Gewicht. Mit knapp zwei Dritteln bekennt sich nach wie vor die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zum christlichen Glauben. Viele von ihnen – aber auch Menschen ohne konfessionelle Bindung – erwarten von den Kirchen Hilfe und Orientierung. Das gilt auch für zahlreiche Entscheidungs- und Verantwortungsträger der Wirtschaft, für die das ethische Wertegerüst der Kirchen eine Konstante in ihrem unternehmerischen Handeln ist.

Konstruktiven Dialog suchen

Im Gespräch mit den Kirchen wirbt die BDA vor allem für ein besseres Verständnis für die Anliegen und Interessen der Wirtschaft. Es gilt, noch immer bestehende Vorurteile über Arbeitgeber auszuräumen und Gemeinsamkeiten festzustellen. Ansprechpartner der Wirtschaft sind hierbei keineswegs allein die Kirchen im Sinne der Amts- und Würdenträger, sondern ebenso die vielen engagierten und politisch aktiven „Laien“, die in ihren Berufen und sonstigen Tätigkeitsfeldern Meinungsträger und Multiplikatoren sind. Der kontinuierliche Dialog hat in den vergangenen Jahren zu einer Annäherung der wirtschafts- und sozialpolitischen Standpunkte beider Seiten und zu einem besseren Verständnis beigetragen.

Unternehmerbild versachlichen

Vielfach herrscht in der Öffentlichkeit ein Unternehmerbild, das gerade auch im Sinne christlicher Ethik, problematisch ist. Die Kirchen haben jedoch ausdrücklich hervorgehoben, dass die Soziale Marktwirtschaft und in ihr die Unternehmer, die sich mit ihrem Kapitaleinsatz den Risiken des Wettbewerbs aussetzen und dabei Arbeitsplätze und Güter schaffen, hohe Anerkennung verdienen – auch unter ethischen Gesichtspunkten (z. B. Sozialinitiative des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“, 2014; Denkschrift der EKD „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“, 2008). Diese Würdigung unternehmerischen Handelns sollte verstärkt in die Gemeinden getragen werden, um Vorurteile abzubauen.

Gemeinsam die Soziale Marktwirtschaft stärken

Wichtige Impulse für die Soziale Marktwirtschaft sind aus der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik hervorgegangen. Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft haben auf der Grundlage ihrer christlichen Werte ein Modell geschaffen, das uns in Deutschland nicht nur großen wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand, sondern vor allem auch soziale Sicherheit und einen hohen Lebensstandard gebracht hat. Der Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft ist von Voraussetzungen abhängig, die eng mit der Werteorientierung der Gesellschaft zusammenhängen: Es sind auch Werte der christlichen Soziallehre wie Freiheit, Subsidiarität und Solidarität, auf denen unsere Wirtschaftsordnung fußt. Die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland haben sich nachdrücklich für die Soziale Marktwirtschaft als einzigen Weg zu dauerhaftem Wohlstand ausgesprochen (z. B. Schrift der Deutschen Bischofskonferenz „Auf dem Weg aus der Krise“, 2009; Unternehmerdenkschrift der EKD, 2008; EKD und Deutsche Bischofskonferenz „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“, 2014). Auch weiterhin werden sich Kirchen und Arbeitgeber gemeinsam für den Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft einsetzen.

An Schnittstellen weiterarbeiten

In den letzten Jahren haben die Kirchen verstärkt ökonomische Aspekte in ihr Denken und Handeln eingebunden. Themen an der Schnittstelle von Kirche und Wirtschaft sind z. B. die Wirtschafts- und Unternehmensethik, die Reformen der Sozialversicherungssysteme, die Bildungs- und Familienpolitik sowie die Integration von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten in den Arbeitsmarkt. Hier verfügen beide – Kirchen und Arbeitgeberverbände – über praktische Erfahrungswerte und langjährige Kompetenzen, die einen Austausch besonders fruchtbar machen.

Initiativen der BDA 

  • Kontaktpflege zu den christlichen Kirchen und ihren Vertretungen – zur Deutschen Bischofskonferenz, dem Katholischen Büro in Berlin, dem Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands und dem Bevollmächtigten des Rates beim Bund und der EU  
  • Kontakt zu den christlichen Unternehmerverbänden, dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) und dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU)  
  • Präsenz und Engagement bei Katholikentagen, Evangelischen Kirchentagen und den Ökumenischen Kirchentagen, zuletzt 2017 

Der Dritte Weg: Kirchen als Arbeitgeber

Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände beschäftigen rd. 1,5 Mio. Menschen in Deutschland und sind damit der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem Staat (Deutsche Bischofskonferenz, 2017 und Evangelische Kirche, 2016). Ausgehend vom im Grundgesetz verankerten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen gilt mit dem sog. Dritten Weg für kirchliche Einrichtungen ein gesondertes Arbeitsrecht. Dabei werden die Arbeitsbedingungen im Miteinander von Dienstgeber- und Dienstnehmerseite in arbeitsrechtlichen Kommissionen festgelegt. Kommt es dort zu keiner Einigung, wird eine Schiedsstelle eingeschaltet. Arbeitskampfmaßnahmen stehen dem Selbstverständnis der Dienstgemeinschaft entgegen und sind nicht vorgesehen. Ausgangspunkt ist das Verständnis, dass die sozialen Dienste zum Sendungsauftrag der Kirchen gehören und ihnen damit eine religiöse Dimension zukommt. In zwei Grundsatzurteilen hat das Bundesarbeitsgericht 2012 den Streikausschluss in kirchlichen Einrichtungen bestätigt. 

 
EKD zu Wirtschaft und Sozialpartnerschaft 
 

  • Die evangelische Kirche bejaht eine freie, wettbewerbliche und auf Sozialpartnerschaft basierende Grundordnung […]. (Arbeitswelt, S. 14)  
  • Zur Lösung gegenwärtiger und künftiger Probleme in der Arbeitswelt bietet die Sozialpartnerschaft ein etabliertes und zukunftsfähiges Konzept, das es zu erhalten und weiterzuentwickeln lohnt. (Arbeitswelt, S. 67)  
  • Unternehmen erfüllen ihre gesellschaftliche Aufgabe vor allem durch nachhaltiges, effizientes und erfolgreiches Wirtschaften. (Unternehmerisches Handeln, S. 16) 
  • Ohne Tarifeinheit drohen Eigeninteressen von Berufsgruppen die betriebliche Solidarität auszuhöhlen, konkurrierende Gewerkschaften mit konkurrierenden Tarifverträgen in Betrieben und Branchen können zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen führen. (Arbeitswelt, S. 89) 
Quellen: Denkschriften des Rates der EKD: Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive, 2008; Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt, 2015 

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BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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Dezember 2018