Minijobs

Minijobs für flexiblen und unbürokratischen Personaleinsatz unerlässlich

Die Zahl der ausschließlich als Minijobber Tätigen lag zwischen 2006 und 2014 nahezu unverändert bei 5 Millionen und ist seit 2015 sogar rückläufig (BA, 2018). Minijobs sind oftmals von den Beschäftigten erwünscht, die nur einen kleinen Hinzuverdienst anstreben. Insgesamt gibt es keine Verdrängungseffekte von Minijobs auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (IAB, 2012).

Minijobs helfen gerade kleinen Unternehmen, z. B. bei langen Öffnungszeiten, besonderer Kundenorientierung und schwankender Nachfrage, Beschäftigung passgenau zu organisieren. Ohne den Vorteil, bei Minijobs Beschäftigten ihren Lohn „brutto für netto“ auszahlen zu können, wäre es zudem vielfach nicht möglich, eine ausreichende Zahl von Beschäftigten zu finden. Hinzu kommt, dass die sozialversicherungsrechtliche Abwicklung eines Minijobs unbürokratisch erfolgt.

Diese Vorteile überwiegen den Nachteil, dass Minijobs für Arbeitgeber teurer sind als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse: Anstelle des Arbeitgeberbeitrags zur Sozialversicherung von rd. 20 Prozent bezahlt der Arbeitgeber bei Minijobs eine Pauschalabgabe in Höhe von rd. 30 Prozent des Bruttolohns.

Minijobber unterliegen demselben arbeitsrechtlichen Schutz wie voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Entgeltfortzahlung, Kündigungsschutz, Urlaub etc.). Das Diskriminierungsverbot nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz gewährleistet, dass sie bei allen Arbeitsbedingungen nicht schlechter als vergleichbare vollsozialversicherungspflichtig Beschäftigte behandelt werden dürfen.

Minijobs schaffen Teilhabe am Arbeitsleben

Minijobs ermöglichen Menschen Teilhabe am Erwerbsleben, die keine umfangreiche Erwerbstätigkeit anstreben, sich aber dennoch etwas hinzuverdienen möchten. Dies gilt besonders für Schüler, Studierende und Rentner, die allein mehr als 40 Prozent der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ausmachen (Statistisches Bundesamt, 2013), aber auch für (Ehe-) Partner im Haushalt, die zum Familieneinkommen beitragen, aber nur in geringem Stundenumfang arbeiten möchten. Über 80 Prozent der Minijobber sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden und wünschen sich keinen größeren Stundenumfang (IAB, 2016). Nach Angaben der Mini-jobzentrale lassen sich über 80 Prozent der Minijobber bewusst von der Rentenversicherungspflicht befreien. Das zeigt, dass sie mit ihrem Minijob nicht zur Alterssicherung beitragen wollen, sondern sich ein gegenwärtiges Taschengeld dazuverdienen möchten.

Daneben stellen Minijobs auch niederschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten dar, die Arbeitslosen die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt erleichtern. Insbesondere bei Menschen, die vor ihrem Minijob lange Zeit ohne Beschäftigung waren, erhöht ein Minijob die langfristigen Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (IAB, 2016).

Übergänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gestalten

Um Minijobbern, die sich eine längere Arbeitszeit vorstellen können, den Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern, müssen die Ursachen angegangen werden, die hier bisher gegen eine vollsozialversicherungspflichtige Voll- oder Teilzeitbeschäftigung gesprochen haben: Insbesondere geringfügig und teilzeitbeschäftigte Frauen entscheiden sich oft aus familiären Gründen gegen eine Vollzeit- oder vollzeitnahe Tätigkeit, etwa wegen der Betreuung und Erziehung von Kindern. Deswegen muss der Ausbau von hochwertigen, bedarfsgerechten und bezahlbaren Kinderbetreuungs- und Ganztagsschulangeboten weiter voranschreiten.

Zudem setzen das Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten oftmals falsche Anreize gegen eine umfangreichere Tätigkeit. Knapp 40 Prozent der Minijobber geben an, dass sie aus steuerlichen Gründen lediglich einen Minijob ausüben (IAB, 2015). Ein erster Schritt, den Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern, wäre daher die Abschaffung der Steuerklasse V, die Zweitverdiener eines Haushalts hoch belastet und eine Beschäftigungsausweitung vielfach unattraktiv erscheinen lässt.

Weniger Schwarzarbeit dank Minijobs

Die im Jahr 2003 eingeführten Minijobs leisten einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, denn sie schaffen unbürokratische und legale Beschäftigungsmöglichkeiten, die ansonsten teilweise in die Schwarzarbeit fallen würden. Allein in Privathaushalten hat sich die Zahl angemeldeter Minijobber z. B. seit 2004 beinahe verdreifacht (Minijob-Zentrale, 2018). Zwischen 2003 und 2012 hat sich die Schattenwirtschaft in Deutschland rückläufig entwickelt, ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass eine Abschaffung der Minijobs das Volumen der Schattenwirtschaft um rd. 7 Milliarden Euro erhöhen würde (IAW, 2013)

Minijobs im Nebenerwerb kein Indiz für Erwerbsarmut

Die Zahl der Minijobber im Nebenerwerb nimmt zu, weil der steigende Bedarf an Arbeitskräften mehr attraktive Gelegenheiten zum Nebenerwerb schafft. Insbesondere in Südwestdeutschland, wo nahezu Vollbeschäftigung herrscht und Fachkräfteengpässe auftreten, nehmen Beschäftigte die Gelegenheit zu einem Zusatzverdienst über einen Minijob wahr (BA, 2016). Es gibt keine Hinweise dafür, dass Nebenerwerbstätige hauptsächlich aus der Not heraus einen zusätzlichen Minijob ausüben. Vielmehr haben Beschäftigte mit Nebenerwerb bereits in ihrem Hauptberuf einen höheren durchschnittlichen Stunden- und Monatslohn als Beschäftigte ohne Nebenerwerb (IW Köln, 2015).
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN