09.01.2008

Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft begrüßen Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung

Die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Bildung und damit zur Fachkräftesicherung in Deutschland, erklärten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft heute in Berlin. Entscheidend ist, dass nun gemeinsam mit den Ländern eine Gesamtstrategie entwickelt wird, die die bildungspolitischen Aktivitäten bündelt und weiter verstärkt. In dieser Form nicht akzeptabel ist allerdings der in der Initiative vorgesehene, viel zu weit gefasste Ausbildungsbonus. Durch Fehlanreize und Mitnahmeeffekte schadet er der Ausbildung.

Die Kriterien für den Bonus sind so weit gefasst, dass er praktisch für jeden Altbewerber gezahlt werden würde – sogar für einen guten, leistungsstarken Haupt- oder Realschüler. Der geplante Bonus brüskiert jene Unternehmen, die motiviert durch den Ausbildungspakt in den vergangenen Jahren ohne Bonus und bei schwieriger wirtschaftlicher Lage zusätzlich ausgebildet haben und jetzt nicht noch mal zulegen können. Wir appellieren daher an die Bundesregierung, eine finanzielle Eingliederungshilfe auf leistungsschwache Altbewerber zu konzentrieren, die ohne zusätzliche Hilfe keine Chancen haben – etwa weil sie keinen Schulabschluss, Lernbeeinträchtigungen oder soziale Defizite haben.

Für bessere Ausbildungschancen ist vor allem auch an den Startbedingungen anzusetzen. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass die frühkindliche Bildung weiter gestärkt werden soll. In der Schulbildung müssen die Anstrengungen intensiviert werden, damit jeder Schulabgänger über das nötige Rüstzeug für eine Ausbildung verfügt. Ziel muss vor allem sein, die Quote der Schulabbrecher bis 2010 zu halbieren. Wir appellieren an Bund und Länder, zeitnah gemeinsam konkrete Maßnahmen hierfür zu beschließen.

Wir brauchen zudem mehr Hochschulabsolventen. Schon heute fehlen akademische Nachwuchskräfte – insbesondere Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler. Angesichts von Studienabbrecherquoten von bis zu 45 Prozent müssen aber nicht nur mehr junge Menschen für ein Studium, insbesondere in MINT-Fächern, gewonnen, sondern vor allem auch mehr Studienanfänger zum Abschluss geführt werden. Ziel sollte daher eine Halbierung der Studienabbrecherquoten bis 2010 sein. Hierfür müssen die Studienbedingungen, insbesondere die Betreuung der Studierenden, verbessert werden. Gemeinsam mit den Ländern muss die Bundesregierung hierfür den Hochschulpakt erweitern.

Richtig ist das Ziel, die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen, insbesondere der beruflichen und hochschulischen Bildung zu verbessern. Denn es kann nicht sein, dass motivierten, leistungsstarken Absolventen der beruflichen Bildung der Zugang zu den Hochschulen derart erschwert wird, dass sie bisher gerade ein Prozent der Studienanfänger stellen. Außerdem muss die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung gestärkt werden. Hier werden zurzeit Potenziale verschwendet. Gerade ein offener und transparenter Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte ist eine Chance, die unbedingt genutzt werden muss. Denn diese besonders motivierte Zielgruppe birgt die Gewähr, erfolgreich und zügig zu einem Abschluss vor allem auch in den auf dem Arbeitsmarkt gefragten MINT-Fächern zu kommen. Auch hier müssen Bund und Ländern konkrete Maßnahmen ergreifen.


PRESSE - INFORMATION Nr. 003 / 2008, 09. Januar 2008
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