argumente

Wir bilden aus!

Der Wirtschaft wird oft vorgeworfen, selbst an Fachkräfteengpässen schuld zu sein, etwa weil sie zu wenig ausbilde. Dabei werden irreführende oder falsche Behauptungen u. a. zum Bewerbermangel oder zur Ausbildungsbeteiligung der Betriebe aufgestellt.

Irrtum: Nur 20 % der Betriebe in Deutschland bilden aus.
  • Zwischen 2009 und 2016 bildeten 80 % der ausbildungsberechtigten Betriebe kontinuierlich oder mit Unterbrechung aus (IAB, 2017).
  • Nur gut die Hälfte aller Betriebe ist überhaupt ausbildungsberechtigt (2016: 55 %, IAB, 2017). Bei der Ausbildungsbeteiligung dürfen die Betriebe ohne Ausbildungszulassung nicht mitgezählt werden.
  • 95 % der Betriebe in Deutschland sind kleine und Kleinstbetriebe, die immer wieder, aber nicht pausenlos ausbilden können. Die Ausbildungsbeteiligung der Wirtschaft muss daher über einen mehrjährigen Zeitraum und nicht nur in einem Jahr betrachtet werden.
  • Während der Laufzeit des Ausbildungspakts 2004 bis 2014 gewann die Wirtschaft durch direkte Ansprache und Beratung jährlich 40.000 bis 50.000 Betriebe neu für Ausbildung. Seit der Weiterentwicklung des Ausbildungspakts zur Allianz für Aus- und Weiterbildung meldeten die Unternehmen über 30.000 Ausbildungsplätze mehr der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dies erhöht die Sichtbarkeit des Engagements der Betriebe für Ausbildung und die BA kann Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser vereinen.
Irrtum: Es gibt gar keinen Bewerbermangel auf dem Ausbildungsmarkt.
  • Der Überhang an unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern nahm in den letzten Jahren deutlich zu: Das Plus betrug 2009 noch 1.600, bis 2017 wuchs es auf rund 23.700 an (BA, 2017). Die als erfolgreiche Brücke in die Ausbildung bewährten Einstiegsqualifizierungs-Angebote (EQ) sind hier noch nicht eingerechnet.
  • Laut der DIHK-Ausbildungsumfrage 2017 konnten 2016 rd. ein Drittel der Betriebe Ausbildungsplätze nicht besetzen, 2006 waren es nur 12 %.
  • Die Zahl gemeldeter Ausbildungsbewerber ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen, von 770.000 in 2000 auf 348.000 in 2017 (BA, 2017).
  • Richtig ist, dass viele der gemeldeten Jugendlichen in Alternativen münden. Allerdings entscheiden sich viele bei der BA gemeldete Ausbildungsstellenbewerber dann doch für Schule oder Studium (2017 waren das 17% oder ca. 93.100) oder benötigen eine Berufsvorbereitung (2017 3% oder ca. 16.400) (BA, 2018). Bei zahlreichen Bewerbern (13% oder ca. 71.200) konnte der Verbleib nicht nachverfolgt werden, wobei davon auszugehen ist, dass viele von ihnen doch eine Ausbildung gefunden oder sich bewusst für Alternativen entschieden haben. Auch verbleiben viele Jugendliche in ihrer bereits vorhandenen Ausbildungsstelle, die sie lediglich wechseln wollten.
  • Übrigens: Ganz auf null reduzieren kann man die Zahl unvermittelter Bewerberinnen und Bewerber nicht. Selbst im Jahr 1992, als es rd. 300.000 mehr gemeldete Stellen als Bewerbungen gab, blieben rd. 13.000 Jugendliche unvermittelt, u.a., weil betriebliche Angebote und Berufswünsche der Jugendlichen nicht zusammenpassen.
Irrtum: Nur jeder zweite Ausbildungsplatzbewerber findet eine Lehrstelle.
  • Diese Annahme basiert auf einer Fehlinterpretation der BA-Statistik: Zwar erhielten 2017 durch Vermittlung oder mit Kenntnis der BA 265.300 von 547.800 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern einen Ausbildungsplatz. Insgesamt wurden aber 523.300 Ausbildungsverträge abgeschlossen. 549.800 Ausbildungsstellen waren 2017 bei der BA gemeldet.
  • Die Statistik der BA bildet nur ihr eigenes Vermittlungsgeschäft und damit nicht das ganze Ausbildungsgeschehen ab. Nicht jeder Betrieb meldet der BA seinen Ausbildungsplatz, nicht jeder Jugendliche meldet sich dort als Bewerber und nicht jeder Eintritt in Ausbildung wird von den Arbeitsagenturen erfasst. Insgesamt wurden 2017 laut Berufsbildungsbericht 2018 572.200 Ausbildungsplätze angeboten. Dies entspricht den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zuzüglich der bei den Agenturen für Arbeit noch unbesetzten Ausbildungsplätze.
Irrtum: Alle Schulabgänger und Schulabgängerinnen sind ausbildungsreif.
  • 17 % der Schülerinnen und Schüler sind laut der PISA-Studie 2015 nicht ausbildungsreif.
  • 6,3 % der Schulabgänger und Schulabgängerinnen – das sind knapp 52.700 Jugendliche – blieben 2017 ohne Abschluss. Bei den ausländischen Jugendlichen sind es sogar 18,1 % (Stat. Bundesamt, 2018).
  • Die Wirtschaft engagiert sich: So setzt sich z. B. das Netzwerk SCHULEWirtschaft für die Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen ein. Ziel ist eine im Schulalltag fest verankerte und fundierte Berufs- und Studienorientierung. Mit dem Berufswahl-SIEGEL werden Schulen für herausragende Berufs- und Studienorientierung ausgezeichnet. Das SIEGEL ist auch ein Tool, um die Berufs- und Studienorientierung kontinuierlich zu verbessern. Bundesweit tragen rund 1.600 weiterführende Schulen das Berufswahl-SIEGEL.
Irrtum: Unternehmen kümmern sich nicht um leistungsschwächere Jugendliche.
  • Etwa zwei Drittel der ausbildenden Betriebe bieten Nachhilfe oder Stützunterricht an und integrieren so schwächere Jugendliche in ihre Ausbildung.
  • Das steigende Engagement der Unternehmen für leistungsschwächere Jugendliche spiegelt sich auch im Rückgang des sog. Übergangsbereichs Schule/Ausbildung wider: 2017 sind 30 % weniger Jugendliche in diesen Bereich eingemündet als noch 2005 (Berufsbildungsbericht 2018). Unternehmen können aber nicht zu dauerhaften „Reparaturbetrieben“ werden. Umso wichtiger sind Qualitätsverbesserungen in der Schulbildung.
  • Seit 2015 steigt der Übergangsbereich zwar in absoluten Zahlen wieder leicht an. Während 2014 insgesamt 252.700 Jugendliche in den Übergangsbereich mündeten, waren es 2017 insgesamt 291.900 (Berufsbildungsbericht 2018). Dies liegt vor allem an der gestiegenen Zahl junger Geflüchteter und Zugewanderter, die durch Programme zum Erlernen der deutschen Sprache auf eine Ausbildung vorbereitet werden und ist somit positiv zu bewerten.
Fakt: Die Wirtschaft hält, was sie verspricht!
  • Die Wirtschaft erfüllt ihre Absichtserklärung der Allianz für Aus- und Weiterbildung und meldete 2017 rund 32.200 mehr betriebliche Ausbildungsplätze als 2014 bei der Bundesagentur für Arbeit.
  • Außerdem erfüllte die Wirtschaft ihre Allianz-Zusage, jedem vermittlungsbereiten Jugendlichen, der zum 30.9. eines Jahres noch keinen Ausbildungsplatz hat, drei Angebote für eine betriebliche Ausbildung zu unterbreiten.
  • Wie stark trotz der Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende zu finden, das Engagement der Wirtschaft ist, zeigt auch folgende Entwicklung: Obwohl die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger von 2003 bis 2016 insgesamt um 15,7 % zurückging, wurden 2016 nur 6,6 % weniger Ausbildungsverträge als 2003 abgeschlossen – dem letzten Jahr vor dem ersten Ausbildungspakt.

Vier von fünf ausbildungsberechtigten Betrieben bilden aus

Betriebliche Ausbildungsbeteiligung im Zeitraum 2009 bis 2014, Angaben in %

Sie bilden … Quelle: IAB-Betriebspanel, 2009-2014


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BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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November 2018