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Dokumentation

Forum „Die Krise als Chance – für eine Kultur der Nachhaltigkeit“

„Nachhaltigkeit ist die Antwort auf die Krise“

Nachhaltigkeit – dieses Wort ist heute in aller Munde, aber was bedeutet das eigentlich? Zu Beginn unseres Forums „Die Krise als Chance – für eine Kultur der Nachhaltigkeit“ erläutert Prof. Dr. Markus Vogt, Lehrstuhl für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, was hinter dem Begriff steckt. Mit ihm diskutieren Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft Gesamtmetall, Christoph Silber-Bonz, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Rollladen und Sonnenschutz. Moderiert wird das Forum von Dr. Karen Horn, Leiterin Hauptstadtbüro des IW Köln.

„Nachhaltigkeit ist die Antwort auf die Krise“, ist sich Prof. Vogt sicher, wobei er herausstellt, dass es sich eigentlich um viele Krisen handelt, die allerdings gemeinsame Wurzeln haben. Darum fordert er, dass wir vernetzter denken sollten. Das heißt, es sollten nicht nur nachhaltige Konzepte für unsere Soziale Sicherung entwickelt werden, sondern gleichzeitig auch für den Umgang mit natürlichen Ressourcen. „Wir brauchen eine neue industrielle Revolution. Das muss die Basis sein für eine zukunftsfähige Wirtschaft.“

Auch Christoph Silber-Bonz versteht unter Nachhaltigkeit „alles das, was unser Weiterleben sichert.“ Dazu benötigen wir einen ganzheitlichen Ansatz der Nachhaltigkeit, der sowohl die Ökologie als auch die Ökonomie berücksichtigt. „Das bedeutet auch, das wir nicht alles jetzt verbrauchen.“ – Für das Handwerk heißt das jetzt, neue Konzepte für die Energieeinsparung und Gebäudesanierung zu entwickeln.

Michael Stahl berichtet ähnliches aus den Mitgliedsunternehmen von Gesamtmetall: „Unsere Betriebe machen die Erfahrung, dass der Markt eigentlich nur noch energiesparende Maschinen verlangt.“ Für Stahl ist die Krise daher auch ein Anschub, um mit Ressourcen sparsamer umzugehen.

Stahl stellt auch heraus, dass sich in der Krise insbesondere die hohe Verantwortungsbereitschaft der Unternehmen gezeigt habe. Obwohl die Produktion in der Metall- und Elektroindustrie im Krisenjahr 2009 um 23 Prozent gesunken ist, wurden nur drei Prozent Beschäftigung abgebaut. Das liegt zum einen daran, dass die Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte brauchen, zeigt aber auch, dass die Unternehmen Willens sind, Beschäftigung auch in schwierigen Zeiten zu halten. Gesamtwirtschaftlich heißt Nachhaltigkeit für ihn vor allem, das Haushaltsdefizit schnell abzubauen.

„Nachhaltigkeit muss in der Kultur verankert sein, das funktioniert nicht über Appelle an die Moral. Das ist bei uns in der Gesellschaft allerdings nicht mehr so, wir handeln eigentlich erst dann, wenn es uns wirklich betrifft“, stellt Markus Vogt fest. Deshalb müsse Nachhaltigkeit von allen als Chance erkannt werden. Das beginnt bei der Wirtschaft, doch fordert Vogt eine Flankierung der Wirtschaft durch die Politik. Die Politik wiederum muss von einer kritischen Öffentlichkeit flankiert werden. Dieser Dreiklang sei wichtig für einen Kulturwandel hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit wichtig.

Michael Stahl stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass nicht nur Politik und Wirtschaft gefordert sind, sondern auch und vor allem der einzelne Bürger. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft betont die Eigenverantwortung des Menschen; das heißt, auch die Menschen müssen sich in ihrem täglichen Verhalten fragen, ob das, was sie gerade tun, tatsächlich nachhaltig ist.

„Die meisten Unternehmer verhalten sich nachhaltig – schon aus reinem Selbstzweck heraus“, meint Christoph Silber-Bonz und erinnert an die vielen Familienunternehmen in Deutschland. „Viele dieser Unternehmen sollen später einmal an die söhne oder Töchter übergeben werden, da ist es doch klar, dass die Unternehmer Verantwortung übernehmen!“

Zusammenfassend stellt Frau Horn fest, dass Nachhaltigkeit zunächst Verantwortungsbereitschaft voraussetzt – und den Willen, über den zeitlichen Tellerrand hinaus zu schauen. Dafür erntet sie Zustimmung aller Diskutanten!
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