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Dokumentation

Forum „Mit Werten in Führung gehen“

„Ohne eine werteorientierte Geschäftsführung würde ich nicht erfolgreich sein!“

Kann man mit Werten auch wirtschaftlich in Führung gehen? Diese Frage stand bei unserem dritten Forum „Mit Werten in Führung gehen“ im Mittelpunkt. Auf dem Podium diskutierten Horst Eggers, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer für Oberfranken und Vorsitzender Evangelische Bundesarbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche, Pastor Peer-Detlev Schladebusch, Spiritual Consulting, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Stephan K. Fischer, Geschäftsführer FISCHER Licht & Metall GmbH & Co.KG. Wirtschaftsethiker Dr. Dominik Enste moderierte das Forum.

„Ohne eine werteorientierte Geschäftsführung würde ich nicht erfolgreich sein!“, ist sich Stephan Fischer sicher, denn dann würden seine Mitarbeiter längst nicht mehr so erfolgreich arbeiten. Für ihn ist es selbstverständlich und gehört zu einer werteorientierten Unternehmensführung dazu, dass sich seine Mitarbeiter über die klassischen Arbeitsbereiche hinaus weiterbilden können und dass es Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen gibt. Auch für die Kinder der Mitarbeiter sollte eine Karriere in seinem Betrieb immer eine Option sein. Pastor Schladebusch pflichtet ihm bei: „Das Umfeld merkt, ob Werte gelebt werden oder nur auf dem Papier stehen.“ Wertevermittlung fängt für ihn eindeutig in der Familie an, das berichten auch seine Führungskräfte immer wieder. Doch was, wenn eine solche Familie, die Werte vorlebt und weitergibt, nicht vorhanden ist? Horst Eggers berichtet in diesem Zusammenhang aus der Wirtschaftsgruppe Handwerk, denn in diesem Bereich ist es besonders schwierig, Lehrlinge zu bekommen. Deshalb muss sich das Handwerk auch mit Lehrlingen beschäftigen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Das Unternehmen kann sicherlich kein Ersatz für die Familie sein, aber die Unternehmen bieten den jugendlichen Unterstützung an, die Werte zu erlernen, die ihnen fehlen. Von den Jugendlichen wird dies gut angenommen. Pastor Schladebusch sieht neben den Unternehmen bei der Frage der Wertevermittlung eindeutig auch die Kirchen in der Pflicht. Integration in die Kirchengemeinde aller Mitmenschen ist eine originäre Aufgabe der Kirchen. Link: Arbeitskreis Handwerk und Kirche

Doch was, wenn es im Unternehmen mal nicht so gut läuft, die Umsätze einbrechen, eventuell Mitarbeiter entlassen werden müssen? Wie kann in so einer Situation werteorientiert gehandelt werden? Diese Frage treibt viele Manager um, die sich so einer Situation gegenüber sehen, berichtet Pastor Schladebusch. Stephan Fischer ist der Meinung, ein Arbeitsplatzabbau müsse immer so lange wie möglich vermieden werden – wenn es mit dem Unternehmen aber nicht mehr anders weitergeht, ist dies manchmal der letzte Ausweg. Alle Beteiligte sind sich einig: In so einem Fall ist das ethische Handeln dann die umfassende Information der Betroffenen über die Beweggründe des Unternehmers und eventuell das Aufzeigen von Perspektiven. Horst Eggers ist froh, dass sich die Einstellungen von Wirtschaft und Kirche zueinander geändert haben: „Die Zeiten sind schon lange vorbei, in denen Unternehmertum und Gewinne verteufelt wurden“, sagt er und berichtet unter anderem von dem „Gemeinsamen Wort“ beider Kirchen, das schon 1995 herausgegeben wurde und unternehmerisches Handeln speziell in kleinen und mittleren Betrieben und inhabergeführten Unternehmen lobt. Weiterhin wird in diesem gemeinsamen Wort eine Kultur der Selbstständigkeit hervorgehoben. Nur zwei Jahre später 1997 erschien die EKD-Denkschrift „Handwerk als Chance“. Das zeigt, dass mittlerweile Einigkeit besteht, beschließt Horst Eggers das Forum: „Ein erfolgreicher Unternehmer, ist besser als einer, der aus lauter Nächstenliebe den Betrieb vor die Wand fährt.“
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