23.11.2020

58 Mrd. Euro sind zu viel – Die Berechnung der Pensionsverpflichtungen gehört auf den Prüfstand!

Nicht nur Corona, auch der beispiellose Niedrigzins hält die Wirtschaft in Atem. Die anhaltende und durch die Anleihenkaufprogramme der Notenbanken noch verschärfte Zinssituation schlägt mehr und mehr auf die handelsrechtlichen Bewertungszinsen für Pensionsverpflichtungen durch. Der daraus entstehende, massive Mehraufwand belastet die deutschen Unternehmen zur Unzeit.
Seit Jahren stellen die beständig sinkenden Rechnungszinsen für Pensionsrückstellungen im HGB-Abschluss eine zunehmende Belastung für die deutschen Unternehmen dar. Gerade für den Mittelstand wirkt sich die hohe Ergebnisbelastung sehr nachteilig auf das Eigenkapital und die wichtigen Ergebniskennziffern aus, mit denen Banken und Gläubiger die wirtschaftliche Stärke einer Unternehmung beurteilen.

Die enge Koppelung der Rechnungszinsen an sich verändernde Marktzinsen ist die Ursache für dieses Dilemma. Das Problem für Arbeitgeber: Sie haben ihren Mitarbeitern auf die intern reservierten Altersversorgungsbeiträge eine attraktive Verzinsung von z. B. drei Prozent versprochen und wollen diese Zinsen jährlich aus ihrer Geschäftstätigkeit erwirtschaften. Gleichzeitig werden sie vom Gesetzgeber gezwungen, die über den kapitalmarktbezogenen Rechnungszins hinausgehende Verzinsung bis zur Zahlung der letzten Rente bereits heute in den Bilanzen zu reservieren. Das ist nicht sachgerecht und vermittelt kein realitätsgerechtes Bild über die wahre Belastung des Unternehmens und damit kein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild seiner Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

Allein in den Jahren 2020 bis 2022 werden die deutschen Unternehmen nach Schätzungen des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS) mit 58 Mrd. Euro belastet. Das ist für die deutsche Wirtschaft in diesen schweren Zeiten nicht hinnehmbar.

Die BDA und das IVS haben diesen Missstand in einem gemeinsamen Positionspapier angeprangert. Als Sofortmaßnahme fordern wir, die Rechnungszinsen für den Jahresabschluss nach HGB für die nächsten drei Jahre auf dem letztjährigen Stand einzufrieden. Diese drei Jahre müssen intensiv genutzt werden, um gemeinsam mit Sachverständigen, Politik, Finanzaufsicht, Wirtschaftsprüfern sowie Arbeitgeberverbänden eine tragbare und zukunftsfähige Lösung für eine sachgerechte Festlegung des Rechnungszinses in der Handelsbilanz zu erarbeiten.

Kommentar von Stefan Oecking, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS)